Vom Hof bis zu deinen Händen: Unsere ehrliche Geschichte hinter dem Bioleder
- YOTIMO

- 7. Juni
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juni
Wenn du ein Lederprodukt kaufst, weißt du meistens nicht viel darüber, woher es wirklich kommt. Ein Label sagt "Made in Germany". Ein anderes verspricht "nachhaltig" oder "Bio". Aber was steckt wirklich dahinter? Welcher Hof? Welche Gerberei? Welche Hände haben dieses Stück Leder berührt, bevor es zu dir kam?
Und noch wichtiger: Welche Geschichte trägt die Marke, die du kaufst? Steht dahinter eine Überzeugung, eine Herkunft, ein Mensch mit einem Namen und einer Geschichte? Oder nur ein Logo? Bei Yotimo können wir diese Fragen beantworten. Konkret. Mit Namen, Orten und echten Menschen.
Das Problem mit "Bioleder"
Der Begriff Bioleder klingt gut. Er weckt Bilder von grünen Weiden, glücklichen Tieren und sauberer Produktion. Aber rechtlich geschützt ist er nicht. Das bedeutet: Jeder darf ihn benutzen, ohne viel dahinter stecken zu haben. Viele Hersteller nennen ihr Leder "Bio", weil es pflanzlich gegerbt wurde. Das ist gut, keine Frage. Aber über das Leben des Tieres, dessen Haut am Ende zu einem Portemonnaie oder Gürtel wird, sagt es nichts aus. Die meisten Hersteller wissen es schlicht nicht. Wir schon.
Es gibt auf dem Markt bereits Bio-zertifiziertes Leder, das schon deutlich besser ist als der konventionelle Standard. Das IVN-Naturleder-Zertifikat des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft kontrolliert die gesamte Produktionskette von der Gerbung bis zum fertigen Leder, verbietet Chromsalze und Schwermetalle vollständig und setzt strenge Umwelt und Sozialstandards. Das Biokreis-Zertifikat geht noch einen Schritt weiter und nimmt auch die Tierhaltung vor der Schlachtung in den Blick. Das ist gut. Das ist deutlich besser als der Marktdurchschnitt. Und es zeigt: Die Nachfrage nach echtem Bioleder wächst.
Wir gehen weiter. Nicht weil die Zertifikate nicht gut wären, sondern weil wir den Hof kennen. Den Namen des Bauern. Den Namen seiner Tiere. Die Gerberei, die seit über 130 Jahren nach denselben Prinzipien arbeitet. Kein Zertifikat ersetzt diese direkte Verbindung. Es gibt keinen Mittelsmann zwischen dem Tier auf der Weide und dem Produkt in deinen Händen.
Station 1: Der URIA-Hof in Balingen-Ostdorf

Unsere Geschichte beginnt am Fuß der Schwäbischen Alb, in Balingen-Ostdorf. Dort lebt die Rinderherde des URIA-Hofs. Knapp 300 Tiere, ganzjährig auf der Weide, im Familienverband, ohne Enthornung, ohne Kraftfutter, ohne Ohrmarken. Hinter dem URIA-Hof steht Ernst Hermann Maier, ein Landwirt mit einer klaren Haltung: Jedes seiner Tiere kennt er beim Namen. Wie eine Familie. Mit Herzblut. "Frei und völlig ohne Zwang" sollen sie leben, sagt er.
Und so ist es. URIA ist mehr als ein Hof. Es ist ein Verein, eine Bewegung, ein jahrzehntelanger Kampf für ein anderes Verständnis von Tierhaltung. Der Name stammt vom Ur, dem wild lebenden Auerochsen, dem Vorfahren unserer heutigen Rinder.

Wissenschaftliche Darstellung des Auerochsen, des ausgestorbenen wilden Vorfahren unserer heutigen Hausrinder. Das tatsächliche Aussehen ist nicht vollständig überliefert und basiert auf archäologischen Funden, historischen Quellen und wissenschaftlichen Rekonstruktionen.
Wichtig zu wissen: Kein Tier stirbt wegen des Leders. Das Leder ist ein Nebenprodukt der Fleischwirtschaft. Würde es nicht zu einem hochwertigen Produkt verarbeitet, wäre es schlicht Abfall. Natürlich wäre es schön, wenn kein Tier sterben müsste. Das ist eine ehrliche Aussage, und wir stehen dazu. Aber solange Menschen Fleisch essen, wird es Rinderhäute geben. Das ist eine Realität, die wir nicht wegdiskutieren. Die Frage ist nicht ob, sondern was damit passiert. Diese Haut zu 100% zu verwerten und ihr ein zweites Leben zu schenken, das ist für uns nicht nur logisch. Es ist eine Verpflichtung. Ein Akt des Respekts gegenüber dem Tier. Denn dieses Tier hat gelebt. Es hatte einen Namen. Es hatte seinen Platz in der Herde. Und genau das trägt man mit, wenn man ein Yotimo-Produkt in der Hand hält.
Die Japaner nennen dieses Prinzip "Mottainai". Es bedeutet so viel wie "zu wertvoll, um es zu verschwenden" und drückt Respekt und Dankbarkeit für alles aus, was die Natur uns gibt. Ressourcen haben einen Wert. Sie verdienen es, vollständig genutzt zu werden. Nichts darf achtlos weggeworfen werden. Genau so denken wir über das Leder.
Am Ende ihres Lebens werden die Tiere mit dem Weideschuss erlegt, direkt dort, wo sie gelebt haben. Kein Tiertransport. Kein Schlachthof-Stress. Kein letzter Gang durch fremde Hallen. In der Natur gehört der Tod zum Leben. Das ist keine Grausamkeit, das ist der Kreislauf des Lebens. Der Unterschied liegt im Wie. Beim Weideschuss stirbt das Tier in seiner gewohnten Umgebung, unter freiem Himmel, ohne Angst, ohne es zu wissen. Genau das ist uns wichtig. Und genau das macht URIA für uns. Für diesen Weg hat Ernst Hermann Maier jahrzehntelang gekämpft, gegen Behörden und Bürokratie. Im Jahr 2000 erstritt er als einer der ersten Landwirte Deutschlands das Recht, seine Rinder auf der Weide zu schießen. Heute praktizieren das mehrere Hundert Höfe in Deutschland. Das ist der Unterschied zwischen einem Zertifikat und einer echten Überzeugung. Die Haut, die dabei entsteht, ist ein Nebenprodukt. Sie wäre sonst nichts. Wir machen daraus etwas mit einer Geschichte, mit Bewusstsein, mit Haltung. Etwas, das Jahrzehnte hält.
Mehr über den URIA-Hof: www.uria.de | https://www.uria-shop.de/ueber-uns/

Station 2: Lederfabrik August Renz in Tuttlingen, seit 1888

Von der Schwäbischen Alb geht die Haut weiter nach Tuttlingen, zur Lederfabrik August Renz. Erstmals erwähnt wurde der Name Renz im Gerberhandwerk im Jahr 1810. Den bis heute währenden Grundstein der Fabrik legte August Renz im Jahr 1888.

Heute führt Christoph Renz das Familienunternehmen in vierter Generation. Mit dem Einstieg seines Sohnes Johannes Renz im Jahr 2018 ist die fünfte Generation bereits an Bord. Drei Generationen arbeiten aktuell gleichzeitig im Betrieb. Mit nur 11 Mitarbeitern ist die Lederfabrik August Renz einer der letzten echten Handwerksbetriebe dieser Art in Deutschland.
Mehr über die Lederfabrik: www.lederfabrik-renz.de



Die älteste Kunst der Welt: Was Gerben wirklich bedeutet
Gerben ist eine der ältesten Handwerkskünste der Menschheit. Lange bevor es Fabriken, Chemikalien oder Maschinen gab, wussten die Menschen, wie man aus einer Tierhaut ein haltbares, wertvolles Material macht.

Die indigenen Völker Nordamerikas, die Prärie-Indianer, haben dies seit Jahrtausenden perfektioniert. Ein erlegter Büffel wurde vollständig verwertet: Fleisch zur Ernährung, Knochen als Werkzeug, die Haut als Leder für Tipis, Kleidung und Behälter. Nichts wurde verschwendet. Der Akt des Gerbens war für sie kein handwerklicher Vorgang allein. Er war Ausdruck von Respekt gegenüber der Natur. Wer von ihr nahm, gab auch zurück.
Diese Überzeugung, dass man der Natur gegenüber in einer Schuld steht und ihr Dankbarkeit und Respekt schuldet, war tief in ihrer Kultur verankert. Ein Tier zu töten und seine Haut achtlos wegzuwerfen, wäre für sie undenkbar gewesen. Dieses uralte Wissen trägt das Gerberhandwerk bis heute in sich. Gerben ist nicht einfach Haut plus Wasser plus Rezept. Es ist jahrhundertelanges Wissen über Stoffe, Reaktionen, Zeiten und Temperaturen. Ein Handwerk, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Chromgerbung: Was in den meisten Fabriken wirklich passiert
Heute werden weltweit rund 80 bis 85 Prozent aller Lederwaren mit Chromsalzen gegerbt. Das Verfahren wurde im 19. Jahrhundert entwickelt und hat die Lederindustrie revolutioniert. Es ist schnell, günstig und produziert weiches, flexibles Leder in wenigen Stunden statt in Wochen oder Monaten.
Doch dieses Verfahren hat seine Schattenseiten. Bei der Chromgerbung wird Chrom III verwendet, das unter kontrollierten Bedingungen als unbedenklich gilt. Problematisch wird es, wenn bei Produktion, Lagerung oder Entsorgung etwas schiefläuft: Dann kann sich Chrom III in Chrom VI umwandeln, eine Verbindung, die als gesundheitsschädlich eingestuft ist. Entscheidend ist deshalb, wie und wo gegerbt wird.
In vielen Ländern mit großer Lederproduktion fehlen strenge Umweltauflagen, oder ihre Einhaltung wird kaum kontrolliert. Wo Abwässer ungefiltert in die Umwelt gelangen, belastet das Böden und Gewässer und auch die Menschen, die dort ohne ausreichenden Schutz arbeiten. Ein Großteil dieses Leders landet anschließend in günstigen Massenprodukten, deren Herkunft sich kaum zurückverfolgen lässt.
Wie real diese Folgen sind, dokumentiert die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 in ihrem Bericht über die Lederindustrie in Indien. Die Recherche zeigt eindrücklich, was es für Menschen und Umwelt bedeutet, wenn Leder unter solchen Bedingungen entsteht.
Bei der Lederfabrik August Renz in Tuttlingen wird ausschließlich vegetabil gegerbt. Rein pflanzlich, mit Gerbstoffen aus Baumrinden und Pflanzenextrakten. Keine Chromsalze, keine Schwermetalle. Der Prozess dauert Wochen statt Stunden und erfordert das Wissen von fünf Generationen. Das Ergebnis ist ein Leder, das lebt, atmet, mit der Zeit eine einzigartige Patina entwickelt und am Ende kompostierbar ist.
Station 3: Handgefertigt in Urbach Baden-Württemberg

Das fertige Leder kommt zu uns, in unsere kleine Werkstatt in Urbach Baden-Württemberg. Hier entstehen die Yotimo-Produkte, Stück für Stück, von Hand. Kein Fließband. Jedes Portemonnaie, jeder Gürtel, jede Tasche wird einzeln zugeschnitten, gefalzt, genäht und abgeschliffen. Das dauert länger als industrielle Fertigung. Es kostet mehr. Aber es bedeutet, dass jedes Stück mit Sorgfalt und Bewusstsein entstanden ist.
Warum das wichtig ist
Du kaufst nicht nur ein Portemonnaie oder einen Gürtel. Du kaufst eine Entscheidung. Die Entscheidung für eine Lieferkette, die du verstehen kannst.
Die Entscheidung für ein Tier, das seinen Namen hatte und sein Leben auf der Weide verbracht hat. Die Entscheidung für eine Gerberei, die seit über 130 Jahren nach denselben Prinzipien arbeitet. Die Entscheidung für Handwerk, das bleibt. Fast Fashion und Massenproduktion haben uns daran gewöhnt, nicht zu fragen woher Dinge kommen.
Billig, schnell, weg.
Yotimo ist das Gegenteil davon.
Die Frage, die du stellen solltest
Das nächste Mal, wenn du ein Lederprodukt in der Hand hältst, frag einfach: Woher kommt das? Und wenn die Antwort vage bleibt, weißt du,
was das bedeutet.
Kurze Wege, klare Verantwortung. Kein Verstecken hinter langen Lieferketten. Nur echte Menschen, echtes Material, echtes Handwerk.
Das ist alles. Und das ist genug. Das ist Yotimo.
Warum Yotimo?

Mein Name ist Oguzhan (sprich: O-ushan → Osan), Gründer und Handwerker hinter Yotimo.
Was kaum jemand weiß: Oguzhan ist kein gewöhnlicher Name. Er geht zurück auf Oguz Khan, den legendären Heerführer und Gründerhelden der Turkvölker, und bedeutet im Türkischen so viel wie der heldenhafte, mutige und starke Herrscher. Ein Name, der Geschichte trägt. Und wie ich mit der Zeit festgestellt habe, auch eine Geschichte, die größer ist als ich ahnte.
2015 reiste ich durch Amerika. In Las Vegas, weit weg von Glitzer und Casinos, begegnete mir etwas, das ich nicht erwartet hatte: eine kleine Familie, Nachkommen der nordamerikanischen Ureinwohner. Wir fanden schnell zueinander, verbrachten einen langen Abend mit Lachen, Geschichten und tiefen Gesprächen über Natur, Respekt und Herkunft.
Sie luden mich ein, bei ihnen zu bleiben. Ich nahm an. Es war eine dieser seltenen Begegnungen, die man nicht plant und nie vergisst.
Wir redeten lange über Jagd und Leder. Sie erzählten mir, wie ihre Vorfahren mit der Tierhaut umgingen. Wie sie gerbten. Wie jede Haut mit bloßen Händen, mit natürlichen Mitteln aus der Natur bearbeitet wurde. Gehirn, Baumrinde, Rauch. Kein Labor, keine Chemikalien, kein Fließband. Sie sagten mir, dass das, was heute Gerbung heißt, mit dem was ihre Vorfahren taten, kaum noch etwas gemeinsam hat. Damals war es kein Prozess. Es war ein Ritual. Eine Ehrerbietung an das Tier, das sein Leben gegeben hatte.
Irgendwann erzählte ich von meiner Idee, ein Lederunternehmen zu gründen. Dass ich einen Namen suchte. Einen, der zu dem passt, was ich machen wollte: ehrliches Handwerk, natürliche Materialien, eine tiefe Verbindung zur Natur.
Ich erzählte ihm auch von meinen Vorfahren. Sie stammen aus der Region rund ums Schwarze Meer, einer Gegend, die seit Jahrhunderten für ihre Imkerei bekannt ist. Bienen, Honig, die enge Verbindung zur Natur, das war schon immer Teil meiner Familie. Sogar mein Familienname trägt diese Geschichte in sich, denn er leitet sich vom türkischen Wort für Imker ab.
RajE hörte aufmerksam zu, lächelte und sagte: "Yotimo".
In ihrer Sprache bedeutet das Wort die nektarsammelnde Biene. Er erklärte mir, dass solche Namen in seiner Kultur etwas ganz Besonderes waren. Namen wie Yotimo wurden traditionell an Pferde und Tiere vergeben, sehr selten an Menschen. Denn für die Ureinwohner war jedes Tier etwas Heiliges. Pferde, Rinder, jedes Lebewesen wurde mit tiefem Respekt behandelt, als Teil der Natur, der man gehört und der man etwas zurückgibt.

Was mich bis heute fasziniert: Yotimo klingt auf den ersten Blick fast japanisch. Und tatsächlich gibt es im Japanischen den Namen Yoshitomo, der dem Klang nach sehr nah ist und je nach Schreibweise so viel bedeutet wie Tugend und Freund oder Gerechtigkeit und Weisheit. Dass ein Name aus der Welt der nordamerikanischen Ureinwohner so einen Klang trägt, der über Kontinente hinweg etwas berührt, das finde ich bis heute wunderschön.
Was mich im Nachhinein noch mehr berührt: Diese Begegnung war vielleicht kein Zufall. Die Wissenschaft zeigt heute, dass die Vorfahren der nordamerikanischen Ureinwohner und die frühen Turkvölker, aus denen auch meine Familie stammt, gemeinsame Wurzeln teilen. Beide gehen zurück auf dieselbe Urheimat: Sibirien und das Altai-Gebirge in Zentralasien. Vor etwa 20.000 Jahren trennten sich die Wege, ein Teil zog über die Beringlandbrücke nach Amerika, der andere blieb in Asien und wurde zu den Vorfahren der Turkvölker, und damit zu meinen Vorfahren.

Der Name Yotimo, die Nektar sammelnde Biene. Zwei Namen. Zwei Völker. Dieselben Wurzeln. Jahrtausende der Trennung. Und dann ein Abend in Las Vegas.
Ich brauchte keinen Moment zum Überlegen. Die Nektar sammelnde Biene ist klein, aber unverzichtbar. Sie arbeitet still, mit Präzision und Hingabe. Sie nimmt von der Natur, aber gibt ihr auch zurück.
Genau das wollte ich mit Yotimo sein.
Yotimo verbindet mehr als eine Geschichte. Es verbindet Welten.
Seither tragen unsere Produkte diesen Namen. Und diese Haltung.





